Erzählung vom Juni 2017

Im Juni 2017 erreichte mich ein Hilferuf aus einer Klinik in Düsseldorf. Eine Frau hat ein totes Baby im Bauch und sie benötigt Hilfe. Ich bot ihr an zu ihr zu kommen und machte ich mich wenige Stunden später auf den Weg in die Klinik.

Vom Team dieses Kreißsaales wurde ich erwartet und freundlich empfangen. Mir wurde mitgeteilt, dass die Frau schon mehrere Einleitungsversuche ohne Ergebnis und Wehen über sich ergehen lassen musste.

Das Baby war schon seit 4 Tagen tot in ihrem Bauch.

Als ich in den Kreißsaal kam, waren dort viele Menschen, es war ihre Familie, so dass ich den Eindruck bekam, diese Frau wird alles in allem gut getragen.
Das ist in einer solchen dramatischen Situation äußerst wichtig.

Nachdem ich mich bekannt gemacht hatte, übergab ich dem Paar erst einmal unsere Trosttasche.

Unsere  Trosttasche ist eine Tasche, die einige Sachen enthält, die die Eltern als Erinnerung und auch zum Trost geschenkt bekommen. Der Gedanke dahinter ist, auf der einen Seite eine Art Türöffner, auf der anderen Seite sehen wir es so, dass Eltern, die das Glück haben ein gesundes Baby zu bekommen, immer mit Präsenten und dem Baby aus der Klinik nach Hause gehen.
Kliniken haben Taschen mit diversen Inhalten, die sie von Firmen erhalten, zum Zweck der Werbung. Jedoch Sterneneltern gehen in der Regel ohne Baby und ohne Andenken nach Hause.

Damit sie auch eine gewisse Art der Zuwendung erhalten, bekommen sie diese Taschen.

Der Inhalt wechselt zwischendurch mal, je nachdem was wir für neue Ideen haben, um diese zu bestücken. In dieser Tasche befand sich eine Kerze, ein Schutzengelchen aus Ton, ein Tee, Blumensamen, ein Päckchen Taschentücher und ein paar Bonbons.

Wir haben uns angefangen zu unterhalten. Zuerst natürlich, was passiert ist. Dann ging das Thema auf die anstehende Beerdigung. Der werdende Vater kommt von einem anderen Kontinent und erschien mir sehr gläubig. Aus den Wünschen um eine Beerdigung wurde sehr schnell klar, dass dieses Paar seine Wünsche und Ängste bezüglich des Sterbens ihres Kindes und den Umgang mit dem Tod an sich nicht wirklich ausdrücken konnten. Sie redeten aneinander vorbei.

In einem langen Gespräch konnte ich diese Hürde aus dem Weg räumen, auch die Bedenken jeweils neu formulieren. Der Partner konnte es dann auch verstehen was genau gemeint war. Somit war der Weg für die Geburt geebnet. Kurz darauf kam die Geburt in Gang und ein wunderschönes Baby wurde geboren.

Das Paar hatte sich entschieden ihre Trosttasche erst zu öffnen, wenn sie alleine sind. Hinterher haben sie sich sehr bedankt und gesagt, dass der Inhalt sie sehr erfreut hat und sie damit eine Gedenkecke gestaltet hätten.

Nach der Totgeburt hatten wir noch öfters Kontakt und mittlerweile erwartet die Familie ihr zweites Kind.

(von Petra Friese)

 

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